Warum, lieber Tod…? (Glenn Ringtved, Charlotte Pardi), ab 4 (unsere Empfehlung: ab 5/6) Jahren

Warum lieber Tod Coverbild
Vier Kinder sitzen am Küchentisch und sorgen sich um ihre kranke Großmutter. Gerade ist der Tod gekommen, um sie zu holen. Sie bieten ihm Kaffee an, sie versuchen, Zeit zu gewinnen. Da erzählt er ihnen eine Geschichte – und die vier lernen, dass es traurig und schmerzhaft ist, wenn jemand stirbt, dass aber auch der Tod zum Leben gehört.


Der Tod hat eine lange Nase und trägt eine schwarze Kutte mit Kapuze. Seine Augen sind fast geschlossen, die Mundwinkel heruntergezogen. Er liebt Kaffee – stark und schwarz wie die Nacht, und das Leben zu nehmen bereitet ihm ganz und gar keinen Spaß. Ein Schurke ist er nicht – nur eine tragische Gestalt, die tut, was getan werden muss. Und damit auch die zwei Jungen und Mädchen, die doch alles in ihrer Macht stehende versuchen wollen, damit die Oma weiterleben kann, dies verstehen, erzählt Gevatter Tod eine Geschichte. Es ist die der Gebrüder Leid und Weinen, die eines Tages auf die Schwestern Freude und Lachen treffen. Dort stellen sie fest, dass sie genau den Partner gefunden haben, der ihnen schon immer fehlte. Fortan gehen sie gemeinsam durchs Leben, bis sie zur gleichen Zeit sterben.
„Was wäre das Leben wert, wenn es den Tod nicht gäbe? Und wie kann man sich auf den Tag freuen – ohne die Nacht?“ Und letzten Endes akzeptieren die Geschwister diesen Gang des Lebens – zwar mit schwerem Herzen, aber doch getröstet durch die Worte des Todes.
„Warum. lieber Tod“ kommt mit wenigen Worten aus. Die dichte, schwermütige und düstere Atmosphäre transportieren die ganzseitigen Illustrationen von Charlotte Pardi. Sie lässt das traurige Brüderpaar, das für Kummer und Schmerz steht, mit seinen ebenso traurigen Schweinen im Regen stehen bis zur Begegnung mit den beiden lachenden rundgesichtigen Schwestern, die inmitten von Blumen und Schmetterlingen der Inbegriff des blühenden Lebens sind. Dann wird alles gut, denn dann ist da eins von jeder Sorte – schwarz und bunt.
Diese Sprache verstehen auch schon die Kleinsten. Doch die Brücke von der Parabel zum greifbaren Verlust eines geliebten Menschen muss dennoch von einem Erwachsenen geschlagen werden. Der sollte dann auch vor allem die tröstliche letzte Seite hervorheben – wenn sich die Kinder an die Großmutter erinnern, sobald sie das Fenster öffnen und ihre Gesichter vom Wind streicheln lassen.
„Warum, lieber Tod ...?“ regt zum Weiterdenken und Hinterfragen an, aber auch zum Sich-trösten-lassen. Auf den ersten Blick wirkt es in seiner dunklen Farbgebung und Bildgestaltung befremdlich für ein Kinderbuch. In der Praxis jedoch zeigt es sich, dass Kinder das Buch mit einem erklärenden Erwachsenen an ihrer Seite nicht ängstigt. Im Buch sind die Kinder, die mit dem Tod sprechen, allein – in der Realität sollten sie es nicht sein.
Ein eingängiges, wunderschönes Buch, das dem Unfassbaren ein Gesicht gibt und hilft, in Worte zu fassen, was sprachlos macht.
Michaela Pelz

Glenn Ringtved, Charlotte Pardi: Warum, lieber Tod…?
Original: Graed blot hjerte …, Rößler (gebunden), Bremen 2002
ISBN 3-922681-16-6, 32 Seiten
€ 10,95, ab vier Jahren (unserer Ansicht nach eher ab fünf bis sechs Jahren)

03. Januar 2008 um 16:35 Uhr