
Ester ging auf der Lichtung hin und her. Sie dachte nach und dann hatte sie eine Idee. „Die ganze Welt ist voll von Toten“, sagte sie. „In jedem Gebüsch liegt ein Vogel, ein Schmetterling, eine Maus. Jemand muss nett sein und sich um sie kümmern. Jemand muss sich opfern und sie beerdigen.“ „Wer?“ sagte ich. „Wir“, sagte sie.
Ester, ihr kleiner Bruder Putte und die Ich-Erzählerin langweilen sich. Doch dann finden sie eine tote Hummel und bereiten ihr ein feierliches Begräbnis. Dafür wird extra ein Gedicht geschrieben, ein Loch gegraben, es werden Blumen gesät. Weil das alles so aufregend und erhebend ist, finden die drei Kinder Gefallen an der Sache. Sie suchen nach weiteren Toten – und finden sie. Und dann gründen sie sogar eine Beerdigungsfirma.
Nach und nach wandern so eine Spitzmaus, ein Hamster, ein Hahn mit abgeschlagenem Kopf, Heringe aus dem Kühlschrank, Mäuse aus der Falle (die noch schnell getauft werden) und überfahrene Tiere unter die Erde. Die jungen Beerdigungsinstitutsunternehmer stellen Kreuze auf, verfassen noch mehr Gedichte, singen Lieder – und all dies voll herzerfrischender Unbekümmertheit. Dabei spiegelt das Buch jenes Verhalten, das Kinder tatsächlich an den Tag legen, wenn sie selbst noch keinerlei persönliche Erfahrung mit dem Tod gemacht haben und auch nie mit aller Kraft von toten Tieren fern gehalten wurden. In ihrer unbekümmerten Fröhlichkeit erinnern Ester und Putte nicht nur vom Zeichenstil her an Astrid Lindgrens schwedische Kinderwelt.
Erst als die Kinder hautnah den Tod einer Amsel miterleben, die gegen das Fenster fliegt, werden sie traurig und erspüren einen Hauch von dem, was Tod bedeutet – und auch dieser Beklommenheit rücken sie mit einer stilvollen Bestattung und einem ergreifenden Gedicht zuleibe. Am nächsten Tag aber, so beschließen sie, machen sie dann aber mal wieder „etwas ganz anderes“.
„Die besten Beerdigungen der Welt“ macht Mut, Kindern jene Natürlichkeit im Umgang mit dem Thema zuzugestehen - sie sich langsam und in ihrem Tempo und nach ihren Maßstäben herantasten zu lassen.
me
Ulf Nilsson, Eva Eriksson: Die besten Beerdigungen der Welt
Original: Alla döda sma djur; Aus dem Schwedischen von Ole Könnecke
Moritz Verlag gebunden; Frankfurt, 2006; ISBN 3-89565-174-5
für Kinder ab vier Jahren; 34 Seiten; € 10,90
Nächster Eintrag: Die Blumen der Engel (Jutta Treiber und Maria Blazejovsky), ab 5 Jahren
Vorheriger Eintrag: Auf Wiedersehen, Mama (Elisabeth Zöller), ab 12 Jahren
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