
Die kleine Mara ist nicht mehr da.
Sie wird nicht wiederkommen. Nie mehr
Gestern hat Sonja noch mit ihrer Schwester gespielt.
Heute ist alles anders. Mara hatte einen Autounfall.
Sonja und ihre Eltern durchleben eine schwere Zeit.
Doch letzten Endes schöpfen sie Mut und Hoffnung.
Gerade im Umgang mit Kindern bleibt der Tod oft ein Tabuthema. Wie, so fragt man sich, soll ein Kind, das vielleicht gerade erst vor Kurzem erlernt und verinnerlicht hat, dass die Eltern auch dann wiederkommen, wenn sie einmal ein paar Stunden weg waren, die Endgültigkeit des Todes begreifen? Zu erklären, dass Leute sterben – Menschen, die wir sehr, sehr gerne haben und die uns nahe stehen – ist schwer genug. Worte dafür zu finden, dass derlei auch Kindern geschehen kann, die noch ihr ganzes Leben vor sich haben, ist noch viel schwieriger.
Dennoch passiert es: Kinder werden krank oder haben einen Unfall und sind plötzlich tot. Und neben den Eltern sind es Spielkameraden oder gar Geschwister, die mit diesem Verlust zu leben lernen müssen.
In „Die Blumen der Engel“ beschreibt die Zweitklässlerin Sonja ihre Gefühle beim Tod ihren ein Jahr jüngeren Schwester, die bei einem Autounfall ums Leben kommt.
In einfachen, klaren Worten schildert sie, wie sehr sie die andere vermisst – etwa beim Anblick des gemeinsamen Hochbetts oder Maras Lieblingspuppe. Und sie zeigt, wie hilflos sie sich im Angesicht der Trauer der Eltern fühlt. Schließlich haben nicht nur die Eltern die kleinere Schwester geliebt, sondern auch Sonja.
Sonja erzählt von allem, das nach einer Todesnachricht geschieht: von der Auswahl der Kleidung, in der das Kind begraben werden soll, über das Aussuchen eines Sarges bis hin zur Beerdigung, dem Beisammensein auf dem Friedhof und, danach, im Kreis der Familie. Und schließlich findet auch Sonja einen Weg aus ihrer Sprachlosigkeit und die Familie findet letztendlich wieder zusammen.
Obschon die Bilder in Pastellfarben gehalten sind, fehlt das Happy End. Der Schmerz sitzt tief, und auch der Leser spürt ihn mit jeder Faser. Aber das Buch erzählt auch von der Hoffnung auf Linderung des Schmerzes und vom Trost der Erinnerung an die kleine Mara – und davon, dass Vater, Mutter und Kind sich gegenseitig Halt geben können.
Michaela Pelz
Jutta Treiber und Maria Blazejovsky: Die Blumen der Engel
Annette Betz gebunden, ISBN 3-219-10915-2
27 Seiten, ab fünf Jahren
Nächster Eintrag: Die Hälfte des Himmels gehört Bo (Dagmar H. Müller), ab 10 Jahren
Vorheriger Eintrag: Die besten Beerdigungen der Welt (Ulf Nilsson, Eva Eriksson), ab 4 Jahren
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