
Eine Familie auf der Fahrt in den Urlaub am Meer - man albert herum und versucht, die lange Fahrtzeit durch kleine Spiele zu überbrücken. Plötzlich zieht ein Unwetter auf, die Familie verunglückt. Peter wacht im Krankenhaus wieder auf. Er erfährt, dass sein Vater bei dem Unfall gestorben ist. Sein geliebter Vater, mit dem ihn eine besondere Beziehung verband. Immer wieder erinnert er sich an den Satz, mit dem der Vater seine Zuneigung ausdrückte: »Ich freu mich über dich!«
Wenn ein Kind Vater oder Mutter verliert, geraten sämtliche Grundfesten des Lebens ins Wanken. War es nicht der große Papa, der einem Halt gab, wann immer man drohte, unsanft auf der Erde zu landen? Und kühlten nicht Mamas sanfte Hände eine fieberheiße Stirn oder verscheuchten energisch die bösen Nachtgespenster? Und nun soll einer von ihnen nicht mehr da sein? Unmöglich!
Auch der fünfjährige Peter kann einfach nicht fassen, dass sein Papa nie wieder kommen wird. Er ist traurig, er ist wütend, er ist hilflos und sucht immer wieder nach dem Grund für diesen sinnlosen Tod. Und doch scheint es ihm bereits im Krankenhaus hin und wieder, als sei der Vater nicht völlig verschwunden. Unvermittelt erinnert er sich an gemeinsame Erlebnisse, sieht Papas Gestalt, seine lächelnden Augen, hört seine Worte. Während die Mutter haltlos weint und die große Schwester Peters Erzählung über die Präsenz des Vaters für einen Traum hält, hört Peter immer wieder Papas Stimme, die ihm die Angst nimmt: im Röntgenraum, beim Gang durch den verregneten Park, nach dem ersten Schultag. Die Worte seines Großvaters versteht er nun: „Manchmal kann man es spüren, dass jemand, der gestorben ist, den man lieb hat, ganz nah bei einem ist – und ganz wirklich.“
Nicht der Schmerz der Mutter, die Verzweiflung der Schwester oder das Leid der Großeltern stehen im Zentrum der Erzählung und der reduziert–ausdrucksstarken Illustrationen, sondern Peters Gefühle und seine immer wiederkehrenden Begegnungen mit der lebendigen Erinnerung an den Vater. Papa ist da, wenn er Angst hat. Wenn etwas Neues vor ihm liegt. Papa tröstet und stützt ihn – da er es körperlich nicht mehr tun kann, in Gedanken. Was Peter hilft, mag auch anderen Kindern und ihren Angehörigen helfen, den schlimmen Schock zumindest ein wenig abzumildern. Ein ehr warmherziges Buch, das kleinen und großen Lesern ein Halt in der schwersten Zeit ihres Lebens sein kann.
Michaela Pelz
Inger Hermann, Carme Solé Vendrell: Du wirst immer bei mir sein
Patmos (gebunden), Düsseldorf 1999, ISBN 3-491-79521-4
32 Seiten, € 9,90, ab vier Jahren
Lesetipps Sachbuch und Belletristik, für Kinder und Erwachsene.
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