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Mama ist gegangen (Christoph Hein), ab 10 Jahren

Cover Hein Mama ist gegangen, Kinderzeichnung eines Hauses mit Baum und Vogel, sehr klar und nüchtern und bunt und eindringlich Ulla ist Vaters Liebling. Trotzdem liebt sie ihre Mama, eine Regisseurin, ungefähr einen Zentimeter mehr als Papa. Ohne all das könnte Ulla nicht leben. Niemals.
Doch dann wird ihre schöne Mama, die so gerne lacht, krank. Kurz darauf stirbt sie. Für alle beginnt eine schwere Zeit. Christoph Hein erzählt, wie Ulla, die Brüder und ihr Vater ein neues Leben, ohne Mama, beginnen müssen.



“Den eig’nen Tod, den stirbt man nur, mit dem der anderen muss man leben”, so die Dichterin Mascha Kaleko (1907-1975). Ganz genau so geht es auch Ulla, ihrem Vater und den beiden großen Brüdern. Wenn im ersten Kapitel die Familie beschrieben wird dann geht dem Leser das Herz auf und er meint sie alle zu kennen: Karel, der nicht mehr Karl heißen will und Meyers Konversationslexikon auswendig kann; Paul, der immer einen schlauen Spruch und eine aberwitzige Erklärung auf Lager hat; Papa, der bildhauert und mit dem Hund spricht; sowie Mama, die Regisseurin mit den vielen vielen Freunden und dem ansteckenden Lachen.
Doch dann wird Mama krank - und stirbt.

Was danach kommt, darüber spricht der gebürtige Schlesier Hein in ebenso einfühlsamen wie einfachen Worten. Über die Trauer schreibt er und das abverlangte und ungewollte Mitleid der anderen, die stets immer und immer nur über die Tote reden wollen. Über das Grab und was es bedeutet, einen Ort der Erinnerung zu haben. Und es wird oft klar, dass es verdammt schwer und traurig ist, ohne Mama weitermachen zu müssen, auch für die Größeren, nicht nur für Ulla, die Zehnjährige. Neue Frauen kommen ins Haus, alte Urlaubsziele werden verworfen, jemand verliebt sich und eine ganz besondere Statue entsteht … Hein macht keine großen Worte – sein Erzählstil ist unaufgeregt, nie beiläufig, aber doch ohne die Effekthascherei dramatisch-überhöhter Emotionen. Dennoch wird sehr deutlich, welch langer Weg vor einer Familie liegt, die plötzlich eines wichtigen Mitglieds beraubt ist. Manchmal geht es besser, dann gibt es Momente, in denen der Schmerz überwältigend ist. Doch irgendwie geht alles weiter, und vielleicht stimmt es ja doch: „Sie ist nur vorausgegangen und wir werden ihr irgendwann folgen.“

[mic]

Christoph Hein: Mama ist gegangen, Beltz TB, ISBN 3-407-78678-6, 145 Seiten,
5,90 Euro, ab 10 Jahren

17. April 2008 um 21:58 Uhr | Druckversion
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