
Wenn jemand stirbt, den du sehr lieb hast, bist du traurig. Am liebsten würdest du weinen oder dich verkriechen, vielleicht bist du auch wütend.
Den Kindern in den Geschichten geht es ganz ähnlich: Tim kann nicht glauben, dass sein Opa nie mehr mit ihm Fußball spielen wird, Luisa fühlt sich auf der Beerdigung ihrer Tante ganz seltsam, Benni weiß nicht, wie er es ohne seinen Vater aushalten soll, und Maxi fragt sich, ob sie ihren Bruder jemals wiedersehen wird.
“Der Tod ist der endgültigste Abschied überhaupt.” - Das ist der behutsame und doch sehr eindeutige Einstieg in ein schmerzliches und sehr persönliches Thema.
Alles beginnt damit, dass Lena nach dem Opa fragt, den sie nie kennen gelernt hat, weil er schon starb, als die Mutter noch ein Kind war. Indem die Großmutter berichtet, wie sie diese Zeit erlebt hat und wie es ihr heute damit geht, vermittelt sie der Enkelin einige grundlegende Tatsachen im Zusammenhang mit dem Tod.
In der zweiten Geschichte, in der es um Tims Großvater geht, der nach einem Sturz auf den Kopf stirbt, ist die kindliche Hauptperson schon direkter involviert: Von der Hiobsbotschaft am Telefon über die Verabschiedung im Krankenhaus (wo es merkwürdig riecht und der Arzt schwierige Worte gebraucht) bis hin zu den Formalitäten nach dem Tod – alles kriegt der Junge hautnah mit.
Die weiteren drei Geschichten (Luisa verliert ihre noch eher junge Tante, Bennis Vater erleidet einen tödlichen Herzinfarkt und Maxis Bruder Marc wird bei einem Verkehrsunfall getötet) beschäftigen sich jeweils mit unterschiedlichen Aspekten einer Trauersituation: Was fühlen Trauernde unmittelbar nach dem Tod ihres Angehörigen (ist es z.B. normal, vom Verstorbenen zu träumen oder ihn gar vor sich zu sehen? Ja, es ist nichts Ungewöhnliches!), wie läuft eine Beerdigung ab, wie geht es Menschen, die einen solchen Verlust erlitten haben, Monate später?
Aufgelockert durch Infoblöcke (Wie trauert man? Welche Bestattungsarten gibt es? Was geschieht mit dem Körper, der Seele?) und nicht zu vergessen, die klaren, farbigen Bilder von Sandra Reckers, geht das Buch des 1955 geborenen Theologen, Pfarrers und Psychologen Kachler immer wieder in kindgerechten, aber nie verniedlichenden Worten auf die verschiedenen Stadien der Trauer (von Verdrängung bis hin zu Wut und Schuldgefühlen) und den Umgang damit ein.
Durch seine Arbeit als Leiter der psychologischen Beratungsstelle des Kirchenbezirks Esslingen ist Kachler das „Kinder und Trauer“ sehr vertraut – wohl darum gelingt es ihm so gut, sich in die Gedankenwelt, Fragen und Sprache der Kinder und Jugendlichen hineinzufinden.
Ein ausgesprochen empfehlenswertes Buch, sowohl für den Unterricht als auch für Betroffene, die speziell im Kapitel „Für Eltern“ konkrete Anregungen finden, wie sie den Kindern helfen können, die Trauer zu bewältigen.
[mip]
Roland Kachler, Sandra Reckers (Illustrationen): Wie ist das mit der Trauer?
Gabriel 2007, ISBN 978-3522301169, 144 Seiten, € 11,90, ab acht Jahren
Nächster Eintrag: Als sie ging (Michael Baron, Edith Beleites, für Erwachsene)
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