Jonathan Stroud

Seine Stimme kam einfach aus dem Buch heraus
Bartimäus
Dschinnenbeschwörer Jonathan Stroud im Interview

Der Brite Jonathan Stroud (geboren in Bedford, aufgewachsen in St Albans, studiert in York) war Lektor, ehe er sich dazu entschloß, fortan nur noch vom Schreiben zu leben. Tolkiens Herrn der Ringe las er im Alter von zehn Jahren (auch wenn er, wie er lächelnd zugibt, große Teile des dritten Bandes übersprang), und fortan blieb er seiner Liebe zur Phantastik treu. Das erste Buch des Familienvaters, Buried fire (nicht übersetzt), erschien 1999 bei Random House. Momo Evers traf den außerordentlich sympathischen Autor am Ende eines langen Tages in München im Verlagshaus von cbj und fand in Jonathan Stroud einen interessanten und humorvollen Gesprächspartner.

Bartimäus, einer der Helden Ihres gleichnamigen Buches, das derzeit auch in Deutschland die Leserherzen im Sturm erobert, ist ein Dschinn. Wie kamen Sie auf die Idee, ihn zum Protagonisten der Handlung zu machen? Gab es literarische Vorbilder, die Sie inspiriert haben?

Jonathan Stroud: Jüngst bat mich der britische Guardian, eine Liste meiner zwanzig liebsten Fantasy-Bücher zu erstellen, das war ganz schön schwierig (lacht). Eines, das ich wählte, heißt »Monkey«, es ist ein chinesischer Roman aus dem 16. Jahrhundert. Dieser »Monkey« beschützt einen Priester – ein sehr zerrissener Charakter, er bekämpft die Götter und so weiter. Die Geschichte basiert auf chinesischen Legenden und Volksmärchen. Jedenfalls: Monkey ist ein Schlitzohr, in gewisser Weise auch ein Held; ein sehr starker, ambivalenter Charakter, teils gut, teils böse. Und eben solch einem Charakter ist Bartimäus nachempfunden.
Seinen Namen verdanken Buch und Dschinn noch meiner Zeit als Lektor. Ich arbeitete damals an einer Kinderbibel, und im Neuen Testament gibt es einen blinden Bettler diesen Namens (Markus 10,46; Anmerkung der Red.). Ich mag den Namen; er klingt so ehrwürdig und alt und erinnert trotzdem an »Bart« (grinst).

Diese Ambivalenz haben viele Leser an Bartimäus geschätzt.

Jonathan Stroud: Ambivalenz ist für mich ein zentraler Aspekt. Viele Fantasy-Titel basieren auf einem einfachen Kampf zwischen gut und böse. Ich wollte etwas Komplexeres schaffen, ein Buch, in dem die Grenzen weniger klar gezogen sind.   

Und welches waren Ihre anderen neun liebsten Fantasy-Bücher?

Jonathan Stroud: Also, da war zum einen die »Grettir’s saga« von Anon aus dem 14. Jahrhundert. 600 Jahre vor Tolkien, und trotzdem Phantastik vom Feinsten mit einem blauhäutigen Ungetüm (lacht). Dann das bereits genannte »Monkey«, das Artur Walex in den 50ern übersetzt hat. Dämonen, Götter und Heilige gibt es in diesem Buch, das sowohl Allegorie als auch Satire und Märchen ist. Es adaptiert vorhandene literarische Aspekte auf eine ähnliche Art wie Malory die Arthus-Geschichte, aber Wu Ch’eng-en hat die besseren Witze (grinst). Auch Swifts »Gulliver« liebe ich. Natürlich Tolkiens »Hobbit«. Und »Gormenghast« (von Mervyn Peake, Anmerkung der Red.); die ideale Jugendbuch-Lektüre und mit einer herrlichen Figur; einem Mörder, mit dem der Leser nicht sympathisieren sollte, es aber dennoch tut. Auch »Der Wind in den Weiden« von Kenneth Grahame (im Oktober 2004 bei Kein & Aber auch als Hörbuch, gelesen von Harry Rowohlt erschienen; Anmerkung der Red.) ist ein wundervolles Buch, eine mystische Ode an England, rund um die Abenteuer dreier befreundeter Tiere. Ein wunderschönes Kinderbuch zum Vorlesen. Wundervolle Märchen für Erwachsene hat Angela Carter in »The Bloody Chamber« (Blaubarts Zimmer: Märchen aus der Zwischenwelt, leider vergriffen, Anmerkung der Red.) zusammengestellt. Diana Wyrne Jones ist eine Autorin, die sich mit Humor und Brillanz bereits zwei Jahrzehnte vor Beginn des »Fantasy-Hypes« dieses Genres angenommen hat. Mein Favorit ist »The Ogre downstairs« (1974). Und dann noch » War in Heaven«, ein okkulter Roman von Charles Williams. Und zu guter letzt Jack Vances dunkle Zukunftsvision »Die sterbende Erde« (in Deutschland leider vergriffen; Anmerkung der Red.). Nicht aufgeführt habe ich Italo Calvino (etwa: »Der Baron auf den Bäumen«; »Der Ritter, den es nicht gab« oder »Wenn ein Reisender in einer Winternacht«; Anmerkung der Red.), aber er gehört trotzdem zu meinen liebsten phantastischen Autoren, allerdings im Erwachsenenbuch.

Sie schreiben bereits seit Ihrer Jugend, haben sich aber zunächst gegen eine Laufbahn als Autor und für eine Tätigkeit als Lektor entscheiden? Erleichtert Ihnen diese Erfahrung heute die Arbeit?

Jonathan Stroud: Ich habe Englisch studiert, aber letzten Endes wollte ich etwas Kreativeres tun, als »nur« anderer Leute Bücher zu lesen – womit ich natürlich nicht sagen will, daß das schlecht ist (lacht). Ich wurde Kinderbuchlektor und beschäftigte mich mit der so genannten »Non fiction«, auch mit Puzzles und Spielen – ich habe Spiele schon immer geliebt – Brettspiele und Rollenspiele und Kartenspiele und …

Sie haben Rollenspiele gespielt?

Jonathan Stroud: Ich und mein Freund, wir haben sie erfunden. Im Alter von 12 bis 14 haben wir uns gegenseitig darin übertrumpft, neue Geschichten zu kreieren und sie mit dem jeweils anderen zu spielen, es war ein harter Wettkampf. (lacht)

Arbeiten Sie noch als Lektor, oder widmen Sie sich mittlerweile ganz dem Schreiben?

Jonathan Stroud: Ich habe versucht, beides unter einen Hut zu bekommen, habe nach Feierabend geschrieben, am Wochenende, in den Ferien … es war ziemlich kraftzehrend und letzten Endes sehr frustrierend. Vor vier Jahren habe ich dann Nägel mit Köpfen gemacht und meinen Job gekündigt, um Autor zu sein.

Aber Ihr erstes Buch erschien ja nicht vor vier Jahren…

Jonathan Stroud: Nein, ich habe schon vorher Bücher veröffentlicht. Als ich den Sprung ins kalte Wasser wagte, schrieb ich an meinem dritten Buch, und es ging so unglaublich langsam voran, Verpflichtungen hier, Verpflichtungen dort … Ich gab mir selbst ein Jahr, um nur noch zu schreiben und zu sehen, ob es klappen könnte – inhaltlich, aber auch finanziell. Letzten Endes hätte ich es nicht ohne meine Frau geschafft. Sechs Monate saß ich nur zuhause, schrieb in absoluter Glückseligkeit vor mich hin, und sie hielt uns am Leben (lacht). Sie ist großartig.

Sie schreiben am liebsten zuhause?

Jonathan Stroud: Damit ich überall schreiben kann, habe ich einen Labtop, aber in Wahrheit sitze ich doch fast immer in meinem winzigen aber praktisch eingerichteten Arbeitszimmer mit Blick auf den Garten, umrundet von Büchern und Papierstapeln in unterschiedlich bedenklichen Höhen (grinst). Meistens fange ich morgens zwischen halb 10 und 10 an, mache dann irgendwann eine Mittagspause und arbeite so lange, bis ich mein »Seitensoll« erfüllt habe. Ich versuche, so systematisch wie möglich zu arbeiten, und Routine hilft mir dabei.

Als langjähriger Lektor für das Kinder- und Jugendbuch haben Sie viele Jahre lang den Markt beobachten können. Was denken Sie: Ist der Erfolg eines Buches planbar?

Jonathan Stroud: Nun … ich würde sagen: Ja. Doch, wenn man sehr gründlich ist, sehr aufmerksam, die Augen offen hält und liest, was auf dem Markt erfolgreich ist, dann kann man ein Buch entwickeln, das die verschiedensten Aspekte kopiert, die gerade populär sind. In vielen Buchläden, gerade in der Erwachsenenliteratur, sieht man einen Haufen Autoren, die derlei ausschließlich tun, besonders in einigen Genres.
Bei Kinderbüchern ist es in meinen Augen etwas Anderes. Sie lassen sich nicht so leicht täuschen. Ist ein Buch nicht originell, ist es langweilig, dann werden sie es nicht lesen. Also: Ja, ich glaube man kann ein erfolgreiches Buch planen. Essentiell für den Erfolg eines Titels halte ich persönlich aber, daß Leichtigkeit und Schwere sich die Waage halten. Bei Bartimäus etwa ist der Dschinn der leicht Part, Nathanael aber der schwere, der düstere. Dieser Wechsel macht es spannend. Bücher mit zuviel Schwere liest man erst gar nicht zu Ende, und die allzu leichten sind austauschbar, und man vergisst sie schnell. Und nicht zuletzt sind vor allem in der Phantastik feste Regeln essentiell. Wenn Figuren alles können und alles dürfen, wird es langweilig. Wenn also Bartimäus einen Haufen Fähigkeiten hat, dann muß er zwingend auch Einschränkungen unterliegen, damit seine Fähigkeiten im Rahmen des Plots auch zum Einsatz kommen können.

Ihr Buch soll verfilmt werden. Erzählen Sie uns etwas über den aktuellen Stand der Dinge?

Jonathan Stroud: Die Rechte sind verkauft, und Miramax arbeitet nun schon seit rund anderthalb Jahren daran. Ich habe eine erste kleine Kostprobe sehen dürfen, was sehr spannend war. Ich habe auch bereits den potentiellen Regisseur kennengelernt, und er ist gut. Aber ich denke, sie warten noch auf eine … Finanzspritze (lacht). Und solange sie diese nicht haben, werden sie nicht mit dem konkreten Dreh beginnen, denke ich.

Würden Sie einen Zeichentrickfilm oder eine Umsetzung mit “echten” (animierten) Schauspielern für passender halten?

Jonathan Stroud: Es sollten »echte« Charaktere sein, die via Computer animiert werden. Auf der anderen Seite: Bartimäus verwandelt seine Gestalt ununterbrochen. Es braucht in jedem Fall einen Darsteller aus Fleisch und Blut, der ihn in seiner menschlichen Form darstellt. Das dürfte beim Casting nicht leicht werden…

Haben Sie eine Traumbesetzung?

Jonathan Stroud: Für Bartimäus bräuchte man einen berühmten Schauspieler, denn so etwas zieht ja auch immer Kinopublikum. In menschlicher Gestalt könnte er im Film auch älter sein. Nun ja ... Johnny Depp wäre die Idealbesetzung für Bartimäus – er ist überhaupt großartig. Das wäre … okay für mich (lacht) – also, es wäre ein Traum. Und Hugh Grant wäre gut als Simon Lovelace.

J.K. Rowling hat (nicht immer positiv) von sich Reden gemacht, weil sie den Entstehungsprozess der Verfilmung Ihrer Bücher zu jedem Zeitpunkt stark beeinflussen wollte. Wie steht es mit Ihnen: Nehmen Sie Einfluß auf Setting, Auswahl der Schauspieler, Dramaturgie etc. oder lassen Sie dem Regisseur freie Hand?

Jonathan Stroud: Für mich persönlich wäre es nicht gut, allzu stark in die Entstehung des Films envolviert zu sein. Schließlich schreibe ich immer noch an dem dritten Buch und hätte gar nicht die Zeit dazu (Mittlerweile sind alle drei Teile der Reihe erhältlich; Anmerkung der Red.). Die Leute von Miramax haben mir eine lange Liste geschickt, 60 oder 70 Fragen. Wo kam Bartimäus her? Was passiert mit einem Dschinni, wenn er stirbt? Wie funktioniert Magie? Leben Magier auch in anderen Ländern? Einen Haufen derartiger Fragen, manche von ihnen waren nicht leicht zu beantworten. Aber es hat auch mir geholfen, denn auch ich muß so viel wie möglich über die Welt in meinem Roman wissen. Im Film wird es viele Unterschiede zum Buch geben, aber er ist ja auch keine eins zu eins Umsetzung eines Buches sondern eher eine Interpretation.

Der deutsche Buchmarkt wird stark von englischsprachigen Titeln dominiert.

Jonathan Stroud: Oh, wirklich? Das erstaunt mich.

Deutsche Autoren gewinnen erst langsam wieder Land, seit die Preise für Lizenzen in horrende Höhen gestiegen sind. Wie sieht die Lage auf dem englischen Buchmarkt aus? Gibt es Seitens Lesern und Verlag einen Blick “über den Tellerrand”?

Jonathan Stroud: Letzten Endes kann ich hier nur aus meiner Wahrnehmung heraus sprechen. Der Jugendbuchmarkt war schon immer dominiert von englischsprachigen Titeln – was nicht unbedingt gut ist. Es gibt nur wenige berühmte Bücher von Autoren, deren Muttersprache nicht Englisch ist.
Ich persönlich bin schon mit Klassikern aus anderen Ländern aufgewachsen, etwa Emil und die Detektive. Aber gerade in den letzten zehn Jahren gab es … nachgerade einen explosionsartigen Anstieg nachrückender Autoren. Die englischsprachigen Verlage sehen einfach keine Notwendigkeit, sich in anderen Ländern nach Titeln umzuschauen. So lange sie etwas nicht quasi »anspringt«, werden sie es nicht wahrnehmen. Aber viele Autoren (mich eingeschlossen) sind sich der Einflüsse aus unterschiedlichsten Sprachräumen bewußt. Literatur für Kinder ist generell international, vieles davon basiert auf Märchen. All die Dschinne und Kobolde – je mehr man liest, je mehr kombiniert man, lernt man. Wichtig ist nur, daß man eben nicht kopiert, sondern sich dem Thema mit einer neuen, mit einer eigenständigen Idee nähert.

Kennen Sie persönlich deutschsprachige Phantastik-Autoren?

Jonathan Stroud: Cornelia Funke (Autorin von Tintenherz, Anmerkung der Red.) ist sehr bekannt in England und Amerika. Ich persönlich lese gerade überhaupt keine anderen Fantasy-Bücher. Wenn ich etwas lese, und es gefällt mir, dann verbeiße ich mich am Ende vielleicht in irgendeines der gelesenen Motive, darf es aber nicht nutzen, und das führt dann im schlimmsten Fall zu Problemen in meinem eigenen Plot. Also nehme ich mir gerade quasi eine »Fantasy-Auszeit« (lacht). Überdies recht populär in Großbritannien ist der Autor von der Unendlichen Geschichte ... Michael Ende. Es gibt bestimmt auch noch andere… aber … (denkt nach) … ich habe ihre Namen vergessen.

Finden Sie, daß das Herkunftsland eines Autors seine Art zu schreiben und den Inhalt seiner Erzählungen prägt?

Jonathan Stroud: Ich denke schon. London etwa hat eine ganz besondere Aura – hier weht ein Hauch Dickens, Sherlock Holmes … viele britische Autoren haben London als Schauplatz genutzt, und sie alle haben ein anderes Bild dieser Stadt gezeichnet. Ich habe einige dieser Aspekte übernommen, um London wiedererkennbar zu machen, aber auch etliches hinzugefügt. Bartimäus 2 spielt in London und Prag. Im dritten Buch .. nun ja, ich schreibe noch (lacht). Zu Teilen wird es auch in London spielen, aber vermutlich auch im alten Ägypten, in Alexandria. Vielleicht werde ich auch einmal Nordamerkia besuchen, und vielleicht könnte man auch hier einen Schauplatz einfügen… Allerdings muß ich auch bis zum Herbst (2005, Anmerkung der Red.) fertig werden (seufzt).

Welches ist Ihre persönliche Lieblingsszene aus Bartimäus?

Jonathan Stroud: Mein erklärter Liebling ist das erste Kapitel. Als ich zu schreiben begann, da wußte ich noch nichts über Art oder Verlauf der Geschichte, nicht wer Simon Lovelace war, ich wußte gar nichts (lacht). Eines Tages war die Stimme von Bartimäus einfach da, und binnen zwei Tagen schrieb ich die ersten vier Kapitel. Nun, nach diesen ersten vier Kapiteln habe ich mich am Riemen reißen müssen, denn ich hätte ewig so weiter schreiben können. Das war im November 2002. Ich war eigentlich gerade dabei, ein anderes Buchprojekt abzuschließen. Das tat ich dann auch, und dann setzte ich mich noch einmal an Bartimäus, dieses Mal aber erstellte ich zunächst ein Konzept und einen groben Handlungsverlauf. Große Teile dieser ersten Kapitel sind dennoch in Urform erhalten geblieben. Manches hat sich aber auch grundlegend geändert. Ich habe mich zum Beispiel in einem Zwischenstadium daran versucht, Nathanaels Verbindung zu seinen Eltern nicht ganz zu kappen. Sie sahen sich jedes Wochenende. Aber spätestens bei der Sache mit dem Geburtsnamen hat mir das Probleme bereitet, und auch sonst hat es Nathanael etwas von der »Schwere« seines Charakters genommen, die mir wichtig war. Und so habe ich diesen Aspekt komplett umgeschrieben.

Wie kamen Sie auf die Idee mit den Fußnoten?

Jonathan Stroud: Das ist »einfach so passiert« (grinst). Die Stimme von Bartimäus kam einfach »aus dem Buch heraus«. Ich wusste, daß er ein kleiner Besserwisser ist, der zu allem seine Meinung kundtun und den Leser belehren will. Da war es logisch, ihm diese kleinen naseweisen Zusätze zu geben. Außerdem war ich schon immer ein großer Freund von Fußnoten. In akademischen Büchern zählen sie oft zu den besten Passagen (lacht).

Autoren verwenden oft ihnen bekannte Menschen als Vorlage für bestimmte Charaktere. Wie steht es diesbezüglich bei Bartimäus und Nathanael?

Jonathan Stroud: Oh, Nathanael ist schon ein wenig wie ich selbst in meiner Jugend: schmalschultrig, vielleicht ein wenig zu hart mit mir selbst, in sich gekehrt und ein wenig zu stolz. Aber auch Bartimäus’ Humor und Energie soll mir nicht unähnlich sein. Zumindest haben dies Freunde gesagt, die mich sehr gut kennen (lacht). Aber ansonsten: eigentlich nicht. Natürlich fließen immer Elemente von Bekannten und Freunden in Charaktere ein, aber meistens habe ich am Anfang eine Idee, konfrontiere den Charakter mit verschiedenen Situationen, und dann entwickelt er sozusagen ein Eigenleben.

Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus?

Jonathan Stroud: Das nächste Buch, das ich schreiben möchte, soll ein kurzes Buch sein, vielleicht eine Geistergeschichte. Ich möchte wieder etwas schreiben, was näher an der Wirklichkeit ist. 

Bartimäus ist von der Anlage her auch auf mehr als drei Titel ausdehnbar. Wie sieht es aus: Werden Sie - in Anbetracht des Erfolges - die Reihe ausdehnen?

Jonathan Stroud: Ich denke drei Titel reichen aus, um die Geschichte von Nathanael, Bartimäus und Kitty zu erzählen. Aber eigentlich haben Sie Recht, Bartimäus selbst könnte immer und zu jeder Zeit auftauchen und man könnte mit neuen Geschichten anknüpfen. Vielleicht werde ich Bartimäus irgendwann mal ein neues Abenteuer erleben lassen, aber zunächst möchte ich mich wieder anderen Dingen zuwenden. Das Schreiben in Reihen ist nicht ganz unproblematisch. Ich habe mich bemüht, alle drei Bücher anders zu gewichten, nicht nur die gleiche Geschichte in anderem Gewand neu zu erzählen, aber trotzdem muß es sich in vielen Punkten gleichen, um das Reihenkonzept nicht aufzubrechen. Das ist gar nicht so leicht. Nach drei Büchern mit denselben Charakteren ist es genug. Ich möchte mich nicht ständig selbst wiederholen (lacht).

Gibt es etwas, das Sie Ihren Lesern schon immer mal sagen wollten?

Jonathan Stroud: Ja, tatsächlich. Ein Interview mit einem Autor liest man ja oft deshalb, weil man sich für den Prozess des Schreibens interessiert. Jedem, der selbst schreiben will, möchte ich den Rat mit auf den Weg geben: Lest! Lest, so viel wie nur irgend möglich; und schreibt, wann immer möglich, am besten zumindest eine kleine Passage pro Tag. Es ist ganz gleich, was es ist – und werft niemals irgendetwas davon gänzlich fort. Ich mache mir auch ständig Notizen – pausenlos sozusagen. Und sammele sie akribisch.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Jonathan Stroud: Oh, gern geschehen. Ich mag Interviews. Manchmal, wenn man mit Journalisten spricht und man redet über ein Buch, kommt man auf Dinge, über die man noch nie zuvor nachgedacht hat. Und manchmal kommen so Dinge zu Sprache, von denen man sich denkt »Wow, so habe ich das noch nie betrachtet«. Das sind kleine Sternstunden, und insofern habe ich zu danken.

Das Interview führte Momo Evers 2004 für die Nautilus

© Momo Evers