Höhepunkte im Leben eines Lektors

Warum ich gern Lektorin bin? Weil ich Bücher liebe und weil ich Unheil vorbeugen kann, ehe es gedruckt wird.
Und weil es zwar - ähnlich wie der Beruf des Autors - eine einsame, aber auch eine amüsante Tätigkeit ist.

Willkommen in der stetig wachsenden Sammelstelle für Textbugs und Katastrophen, die ich verhindern durfte.
Stellen, mittels derer man den Text einem Buch zuordnen könnte (wie etwa Namen), wurden abgeändert. Alle Helden der im Haus der Sprache gesammelten Katastrophen heißen Knut; alle Heldinnen Knuthilde; gegessen werden immer nur Zitronen und getrunken wird Caro-Kaffee. Stellen, die trotz Verfremdung zuordnebar wären, werden selbstverständlich nicht veröffentlicht.

Anbei: Natürlich soll diese Sammlung nicht dazu dienen, Autoren oder ihre Übersetzer an den Pranger zu stellen. Ein Buch und eine Übersetzung sind harte Arbeit und es ist die Aufgabe des Lektorats, Fehler zu finden, die durchgerutscht sind - und einem sorgfältigen Erstbearbeiter durchrutschen können. Manchmal treibt die Suche nach einem besonders stimmigen Bild auch sonderbare Blüten, Autor oder Übersetzer sind am Ende eines langen Arbeitstages nicht mehr auf der Höhe ihrer Leistungsfähigkeit oder unkonzentriert, kurz: Irren ist menschlich und keine Schande.



—Da ihre Vorräte knapp werden, müssen sich Knut und Knuthilde auf ihren Einfaltlsreichtum verlassen, um ihre Lager wieder aufzufüllen.

—Er spähte in die Richtung ihres betroffenen Blicks und sah, was sie so in Bestürzung versetzte.

—Tränen beträufelten ihre Miene.

—Knut emanierte Triumph, als wäre er eine Fackel der Bosheit.

—Diese Vorstellung erwies sich als allseitig von Schärfe.

—Ohne Vorwarnung füllte sich Knuthildes Kehle mit Weinen.

—Und nun war er am Sterben.

—Die Schlichtheit seiner Antwort besaß für Knuthildes gespanntes Gehör die Gewichtigkeit einer bedeutenden Erklärung.

—Indem sie im Geheimen vor sich hinschalt, verzehrte sie ihre Zitrone, verstreute die Steine außerhalb des felsigen Untergrunds und traf dann in diszipliniertem Ernst einige Vorbereitungen, wie sie erforderlich waren, ehe sie das Floß von neuem wasserten.

—Knuthilde regte den Mund.

—Aller Grimm seiner Leidenschaft klang aus seinem Aufröhren. [Anmerkung: Es ist von einem zivilisierten Menschen die Rede.]

—Hinter ihrer äußeren Passivität begann Knuthilde zu jaulen.

—Indem sie gegen die Verkrampfung ihrer Bewegungsarmut ankämpfte, sich dem Wunsch nach Zitronen und Caro-Kaffee widersetzte, schleppte sie sich wie eine Gehbehinderte zur Tür.

—Ein Schwall von Worten staute sich in Knuthilde, sprudelte auf einmal hervor, als wäre sie in ein Gebrabbel verfallen.

—Unerklärte Tränen nässten Knuts Blick.

—Eine Aufwallung von Respekt und Verständnis verunmöglichte Knut eine rasche Reaktion.

—Seine Hand glitt in ihren Schritt, und sein Glied stand senkrecht von ihm ab. [Anmerkung: Es handelte sich bei dem Buch um einen ganz normalen belletristischen Roman.]

—Er wandte sich von neuem den Gefährten zu; grinste wie eine Verheißung von Mord.

—Ein Gezitter der Abneigung durchfiel Knut.

—Knuthilde packte, indem sie etwas Eile entwickelte, ihre Vorräte ein.

—Eine Aufwallung von Respekt und Verständnis verunmöglichte Knut eine rasche Reaktion.

—Knuthildes Tonfall zeugte, als sie weitersprach, von Abschlaffung.

—So etwas wie ein entstelltes Schweigen folgte.

—Ein Stich fuhr Knut durch den Nacken; seine Stirn versprengte Schweißtröpfchen auf den Boden.

—Knut und Knuthilde maßen der Länge nach den Erdboden. [Anmerkung: Es soll zum Ausdruck gebracht werden, dass sie hinfallen.]

—Hinter jedem Baum, in jedem Wasserlauf schien Entlarvung zu harren.

—Dann nahm das Geplätscher des Regens zu. Es verwandelte sich in einen Ausfluss feuchter Gelüste.

—Ihre Hände deuteten anscheinend irgendwelche Konsequenzen in der Luft an.

—Knut erteilte Knuthilde fortgesetzt Aufschluss über die Geländebeschaffenheit.

—Immer wieder krakeelte Knuts Stimme in die warme Nacht hinaus.

—Knuthilde beschäftigte sich damit, unanfechtbar festzustellen, dass keine Kraft und kein Werkzeug, die sie aufzubieten vermochte, Knuts energetische Umhüllung durchbrechen konnte.

—Er brüllte mit all den unzureichenden Kräften seiner Genesung. [Anmerkung: Es ist ein Mensch.]

—Herrgott noch mal!, brauste Knuthilde innerlich in grämlicher Ablehnung auf.

—Dringlichkeit beklemmte ihr Herz, leugnete ihre Kurzatmigkeit, missachtete die Schwäche ihrer Beine.

—Im unzuverlässigen Helligkeitsschein schien ihr Gesicht zu bröckeln.

—Trotz der Ausdruckslosigkeit seines Gesichts zeichnete die Forderung in seiner Miene sich durch die Unmissverständlichkeit einer geballten Faust aus.

—Der energetische Ausbruch schien Knuthildes Nerven versengt zu haben; sie schrillten in äußerstem Unbehagen.

—Nicht lange, und die Muskeln von Knuthildes Beinen zeigten eine Neigung zum Verkrampfen.

—Knuthilde fing über das Achterdeck zu schlendern an.

—Die Turbulenz der Überflutung begann sie beinahe systematisch hin- und herzuschleudern.

—Als die Sonne unterzugehen begann, fühlte sich Knuthilde, als werde sie von irgendeiner Gefahr umlauert.

—Als sie den Mut aufbrachte, ihre Laternen zu löschen, konzentrierte sich die Finsternis umso zudringlicher auf Knuthildes Innenleben, deutete alle Arten von Gehässigkeiten an.

—Ihre Hose war eine so harte Zwangsläufigkeit geworden wie nach seiner letzten Wunde Knuts Tod.

Die Sammlung wird regelmäßig fortgeführt; allerdings immer zeitversetzt. Die Auszüge enstammen verschiedenen Büchern der vergangenen Jahre und haben somit nie etwas mit den Büchern zu tun, an denen im Haus der Sprache jeweils aktuell gearbeitet wird.